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Neues aus Linz
13. April 2010 11:54

Drohendes Ende für betreubares Wohnen

Rubrik: Neues aus Linz

Vor knapp 10 Jahren, im Dezember 2000 wurden die ersten Betreubaren Wohnungen für SeniorInnen übergeben. Errichter waren damals verschiedene Bauträger, die Organisation lief über die Stadt Linz und unterstützt wurde die Errichtung mit den Mitteln der Wohnbauförderung. Wie beliebt diese Wohnform mittlerweile geworden ist zeigt die Nachfrage nach leistbaren, betreubaren Wohnungen. Betreubare Wohnungen zählen neben der ebenfalls von Stadt Linz und Land Oberösterreich unterstützen Aktion zur nachträglichen Liftnachrüstung zu den wesentlichsten Beiträgen, die älteren Menschen die Gelegenheit geben, möglichst lange in der gewohnten Umgebung wohnen zu können.

Linz hat derzeit 350 betreubare Wohnungen aufzuweisen, über 40 weitere Wohnungen werden derzeit gebaut.

„Der Bedarfsentwicklungsplan des Landes Oberösterreich sieht bis zum Jahr 2015 insgesamt 615 betreubare Wohnungen für Linz vor. Dieses Ziel kann auch erreicht werden. Wenn alle konzipierten Standorte tatsächlich realisiert werden, kann die Vorgabe des Landes Oberösterreich sogar noch übertroffen werden. Eine Voraussetzung dafür ist die gleichbleibende Zuwendung von Wohnbaufördermitteln durch das Land Oberösterreich. Kommt es zu den von Landesrat Dr. Haimbuchner angekündigten Kürzungen innerhalb der Wohnbauförderung, stehen auch die Projekte und die Erfüllung des vom Land Oberösterreich vorgegebenen Bedarfsentwicklungsplans zur Diskussion“, zeigt sich der Linzer Sozialreferent und Vizebürgermeister Klaus Luger entsetzt enttäuscht.

„Wir haben in Linz vor zehn Jahren den richtigen Weg beschritten, das zeigt die bis heute ungebrochene Nachfrage nach dieser Art des Wohnens. Die Sicherheit für ältere Menschen, im Bedarfsfall nicht aus ihrer gewohnten Umgebung gerissen zu werden, ist einer der wesentlichsten Aspekte. Diese Sicherheit könne den älteren Menschen jedoch nur dann gegeben werden, wenn das Land die bisherigen Fördermodalitäten beibehält. Dafür werden wir in der kommenden Sitzung des Gemeinderates der Landeshauptstadt Linz einen Antrag einbringen, der Landesrat Dr. Haimbuchner zu einem Einlenken im Sinne der älteren Generation bewegen soll“, richtet Luger seinen Appell an Landesrat Dr. Haimbuchner.

 

Betreubares Wohnen in Linz seit 2010

Das Angebot an betreubaren Wohnungen besteht in Linz seit dem Jahr 2000, als die erste Wohnanlage mit 44 Einheiten an der Rudolfstraße eröffnet wurde. Die Beliebtheit des betreubaren Wohnens als neue Wohnform hat schnell zugenommen, zumal damit Menschen mit leichtem oder mittlerem Betreuungsbedarf unterstützt werden. Darüber hinaus kann ein Verbleib in der gewohnten Umgebung gewährleistet werden.

Die Leistbarkeit dieser Wohnform ergibt aus der Zusammenarbeit zwischen Stadt Linz mit der Organisation und dem Land Oberösterreich, das bislang die Wohnbau-Fördermittel beisteuert.

 

Kürzung der Wohnbauförderung: Drohendes Aus für Betreubares-Wohnen-Projekte

Nun weist auf Landesebene die Wohnbauförderung für das Jahr 2010 einen nominellen Rückgang von 16 Millionen Euro aus. Neben dem Wohnbau droht somit das betreubare Wohnen ein weiteres Opfer der Kürzungen der Wohnbaufördermittel zu werden. Derzeit sind in Linz 350 betreubare Wohnungen fertig gestellt, weitere 42 sind in Bau. Die vom Land Oberösterreich vorgegebenen insgesamt 615 betreubaren Wohnungen bis zum Jahr 2015 sind aber nur mit den entsprechenden Fördermitteln aus der Wohnbauförderung realisierbar.

 

Gemeinderatsbeschluss für Erfüllung des OÖ. Bedarfsentwicklungsplans

Auf Basis der vom Land Oberösterreich errechneten Bedarfsprognose hat der Linzer Gemeinderat am 15. März 2007 ein Ausbauprogramm beschlossen. Damit sollen bis zum Jahr 2015 die Landesvorgaben erreicht werden. Den im Ausbauprogramm enthaltenen und in Aussicht genommenen Projekten von gemeinnützigen Wohnbauträgern als Errichter lag die Zusicherung der der notwendigen Wohnbaufördermittel zu Grunde. Konkret bedeutet dies, dass für Projekte für betreubare Wohnungen lediglich 10 Prozent der Errichtungskosten als Eigenmittelanteil durch den Wohnbauträger zu leisten sind. Die verbleibenden 90 Prozent werden über Förderungsdarlehen des Landes Oberösterreich finanziert. Dieses Fördermodell leistet einen entscheidenden Beitrag dazu, dass die MieterInnen betreubarer Wohnungen keine Eigenmittel einsetzen müssen. Eine Kürzung dieser Mittel hätte zur Folge, dass der Bedarfsentwicklungsplan des Landes Oberösterreich in Linz nicht realisierbar wäre.

 

Bauprogramm in Frage gestellt

In der Vergangenheit gab es für die Errichtung von Alten- und Pflegeheimen sowie für die Errichtung von betreubaren Wohnungen ein konkretes Ausbauprogramm. Dafür war bereits im Vorfeld eine Zusage über die Fördermittel notwendig, um die Planungen weiter vorantreiben zu können und letztendlich die Bauten auch realisieren zu können.

Gegenüber Wohnbauträgern hat nun Landesrat Dr. Haimbuchner verlautbaren lassen, den Förderungssatz von 90 Prozent auf 60 Prozent senken zu lassen. Neben anderen Punkten, die wesentliche Bestandteile des betreubaren Wohnens ausmachen und ebenfalls aus den Bauprogrammen zu streichen seien, stellte der freiheitliche Landesrat diese Wohnform generell zur Disposition.  

 

Caritas-Direktor spricht von Rückschritt

Nach den Berichten, wonach das Landeswohnbauressort keine neuen Projekte für betreubae Wohnungen m,ehr fördern wolle,  bekräftigte schließlich in einem Zeitungsinterview der Direktor der OÖ. Caritas Matthias Mühlberger die Bedenken, die sich aus der Fördermittelkürzung ergeben: „Es wäre angesichts der demografischen Entwicklung aber ein Rückschritt, wenn erfolgreiche Modelle auf Eis gelegt würden.“  (OÖN 10.04.2010)

 

SPÖ-Antrag im Gemeinderat für Bereitstellung der Wohnbaufördermittel

Die Ankündigungen aus dem Wohnbauressort von Landesrat Dr. Haimbuchner, eine Kürzung der Wohnbaufördermittel zu vertreten hat vielfach zur Verunsicherung zumeist älterer Menschen beigetragen. Als potenzielle MieterInnen der betreubarer Wohnungen wird die Linzer SPÖ diese Menschen unterstützen und wird deshalb in der kommenden Gemeinderatssitzung einen Antrag einbringen, der sich an Landesrat Dr. Haimbuchner wendet und diesen auffordert, für eine ausreichende  Zurverfügungstellung von Wohnbaufördermitteln zu sorgen. Konkret sollen die für das betreubare Wohnen erhöhten Fördermittel im bisherigen Ausmaß zur Verfügung gestellt werden, um die bereits in Planung befindlichen Projekte nicht zu gefährden.

 

350 betreubare Wohnungen in Linz, 400er Grenze in Reichweite

352 betreubare Wohnungen wurden in Linz bereits Realität, weitere 42 Wohneinheiten werden derzeit errichtet. Nach Abschluss aller Bautätig­keiten im Jahr 2010/11 werden in Linz insgesamt 394 betreubare Wohneinheiten zur Verfügung stehen.

Diese 394 Wohnungen hätten dem altem Bedarfs­entwicklungsplan des Landes Oberösterreichs (BEP) vom Jahr 1996 entsprochen, der 390 betreubare Wohnungen bis 2010 vorgesehen hat. Eine Neuauflage des Bedarfsentwicklungsplans hat seither zu erheblichen Veränderungen geführt. Eine der neuen Voraussetzungen war, dass für drei Prozent der Generation 70+ eine betreubare Wohnung zur Verfügung stehen müsse.

Bei einem Vergleich des Bedarfs- und Entwicklungsplan des Landes Oberösterreich von 2006 mit Stand November 2006 und Stand Oktober 2007, so ergibt sich innerhalb eines einzigen Jahres ein Mehrbedarf von 123 Wohneinheiten für 2015.

Die Stadt Linz hat auf diese neuen Anforderungen so schnell wie möglich reagiert und ein Standort- und Realisierungskonzept für einen weiteren Ausbau erarbeitet. Bis 2015 könnten so insgesamt 710 betreubare Wohnungen verwirklicht werden. Das sind um 95 Wohn­einheiten mehr als vom Land Oö. gefordert.

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